Das Wort "Ökumene" im Neuen Testament

Machen wir uns zuerst die Mühe, das Wort im Neuen Testament aufzuspüren und dessen ursprüngliche Verwendung. Dann haben wir notwendigerweise in die Vorgänge der Kirchengeschichte hineinzublicken.

15 mal treffen wir dieses Wort an. Es ist abgeleitet von dem griechischen "oikos" und bedeutet soviel wie "die von den Menschen bewohnte Welt".
Bei den folgenden Zitaten aus dem Neuen Testament soll das Wort Ökumene unübersetzt wiedergegeben werden, um so den neutestamentlichen Gebrauch des Wortes deutlich zu machen:

Matth 24:14: Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt (Ökumene) zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Luk. 2:1: Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß die ganze Welt (Ökumene) geschätzt würde.

Luk 4: 5-6: Und der Teufel führte ihn hinauf auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der ganzen Welt (Ökumene) in einem Augenblick und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit, denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie wem ich will.

Luk 21:26: Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die da kommen sollen über die ganze Welt (Ökumene); denn auch der Himmel Kräfte werden ins Wanken kommen."

Aus Platzgründen seien hier die weiteren Bibelstellen, bei denen das Wort "Ökumene" erscheint, aufgelistet: Apg 11:28; Apg 17:6; Apg 17:31; Apg 19:27; Apg 24:5; Röm 10:18; Hebr. 1:6; Hebr 2:5; Offb 3:10; Offb 12:9; Offb. 16:14.

Wenn wir diese Bibelverse, auch in ihrem textlichen Zusammenhang, aufmerksam gelesen haben, kommen wir zu dem Ergebnis: Das Wort "Ökumene" wird im Neuen Testament durchweg ohne irgendwelche theologische Bedeutung verwendet.
Im geographischen Sinn meint es also "die von den Menschen bewohnte Erde, der ganze Erdkreis."
Richtig ist allerdings, daß der Begriff "Ökumene" ursprünglich unvereinbar war mit dem Wesen des Reiches Gottes. Er war jedenfalls ein völlig untheologischer Begriff, zumal das Reich Jesu Christi nicht von dieser Welt ist (Joh. 18:36).

Das Wort "Ökumene" in der Kirchengeschichte

Wie wurde aus einem geographischen, völlig weltlichen Begriff ein Stich- und Kennwort für eine Bewegung, die heute auf den verschiedensten Ebenen Konfessionen erfaßt hat und darüber hinaus in Dialoge und Verbindungen mit den Weltreligionen und ideologisch orientierten Bewegungen getreten ist?
Einer der ehemaligen Generalsekretäre des "Ökumenischen Rates der Kirchen"; Dr. Visser't Hooft, hielt einen umfassenden Vortrag über das Thema "Geschichte und Sinn des Wortes "ökumenisch" und erwähnte dabei fünf Bedeutungen:

1. zur ganzen (bewohnten) Erde gehörig oder sie vertretend
2. zum (römischen) Reich gehörig oder es vertretend;
3. zur Kirche als Ganzes gehörend oder sie vertretend
4. die Beziehungen zwischen mehreren Kirchen oder zwischen Christen verschiedener Konfessionen betreffend:
5. Ausdruck des Wissens um christliche Einheit und des Verlangens nach ihr.

Als die Weltreiche des Ostens vom römischen Reich abgelöst wurden, bezeichnete man dieses römische Imperium mit dem Wort "Ökumene" (vgl. Luk 2:1). Der römische Kaiser galt als "der gute Gott der Ökumene, ihr Heiland und Wohltäter". "Ökumene" war also die weltweite Zivilisation unter dem Schutz und der Herrschaft des römischen Kaisers. Als sich dann im zweiten und dritten Jahrhundert aus den ursprünglich verfolgten christlichen Gemeinden eine von imperialer römischer Gewalt geförderte Kirche entwickelte und jeder Bürger Christ sein mußte, ergab sich eine Deckung der Begriffe "Ökumene" und "Kirche".

Das Bündnis zwischen dem Reich und Kirche - vom Neuen Testament her gesehen eine überaus fragwürdige Entwicklung. Diese vom biblischen Wort her unheilvolle, dem Geist Christi widersprechende Entwicklung darf bei der Beurteilung von "Ökumene", wie sie sich heute darstellt, nicht aus dem Blickfeld verloren werden.

Der römische Kaiser Konstantin (306 - 337), der das Christentum im Jahre 313 zur gleichberechtigten Staatsreligion erklärte, verfolgte zwei Ziele, die er in einem Brief niederschreiben ließ:

"In erster Linie ist es meine Absicht gewesen, alle Völker in ihrer Haltung gegenüber dem Göttlichen zu einigen, sodaß sie wirklich eins sein können, zweitens den Leib der ganzen Ökumene (also des römischen Weltreiches!) zu heilen, der sozusagen an einer schweren Krankheit litt."

Im weiteren Geschichtsverlauf wurden unzählige treue Zeugen Jesu Christ das Opfer brutaler Intoleranz von Seiten der römisch geprägten "Ökumene".
Bei dieser Erörterung des Wortes "Ökumene" schält sich bereits der Kern dessen heraus, was der modernen ökumenischen Bewegung den Impuls zu geben schien: "Es ginge ihr um das "Ökumenische" im Sinne des für alle Kirchen Verbindlichen und Gültigen und daher auch Einenden.

Quelle: Analyse zum Thema Ökumene/ Arndt Schmid


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