Auszug aus dem Buch - Ökumene - Zeichen der Endzeit ?
Seite 50-53/ Autor: Michael Urban

Wenn wir uns dem Prozess der Ökumene in der Welt der Christenheit - und hier vor allem in der evangelikalen Christenheit - zuwenden, muss leider gesagt werden, dass der Geist der Ökumene in vielen Punkten der Bibel widerspricht, besonders aber in einem: Der Geist der Ökumene lehnt es ab, zu scheiden und zu unterscheiden, zu richten und zu beurteilen. Dieser Ungeist lässt uns im Glauben, wir hätten das Liebesgebot Jesu dann erfüllt, wenn wir jeder auch noch so unbiblischen Meinung mit einer gewissen Achtung und Anerkennung begegnen. Meist wird dabei noch das Wort aus Matthäus 7,1 zitiert: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!" Interessanterweise aber steht in Vers 6 dieses Textes: "Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Säue, damit diese sie nicht mit ihren Füssen zertreten und jene sich nicht umwenden und euch zerreissen." Um zwischen dem "Heiligen" und den "Hunden" zu unterscheiden, muss ich ein Urteil sprechen: Ich muss nämlich beurteilen, was zu dem "Heiligen" und was zu den "Hunden" gehört.
Wenn der Apostel Paulus warnend schreibt: "Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?" (2.Kor 6,14) - muss ich dann nicht zuerst feststellen, wer gläubig und wer ungläubig ist? Muss ich nicht beurteilen, wo Gerechtigkeit und wo Ungerechtigkeit ist? Muss ich nicht eine Trennlinie ziehen zwischen Licht und Finsternis? Hat nicht Gott selbst schon bei der Schöpfung deutlich für Trennung zwischen Licht und Finsternis gesorgt - für Trennung auch zwischen Erlaubtem und Verbotenem?
Dass wir nicht richten sollen, bezieht sich meines Erachtens auf unser Urteil über die Stellung eines Menschen vor Gott. Über diese Beziehung und vor allem ihre Folgen und ihren Ausgang kann nur unser Vater im Himmel etwas aussagen. Solches Richten steht uns nicht zu. Worüber wir aber richten und urteilen und was wir unterscheiden müssen, sind Werke, Wege, Haltungen und Einstellungen. Und wir müssen deutlich darauf hinweisen: Der Unterschied zwischen einem Menschen, der durch Christus mit Gott versöhnt ist und einem Menschen, der in Sünde lebt, ist durch noch so grosse ökumenische Bemühungen nicht aufzuheben. Und auch die Grundsätze der Reformation, die ja in der Bibel verankert sind - allein die Schrift, allein der Glaube, allein die Gnade - können nicht durch den Trend der Toleranz aufgehoben werden.
"Die Zeiten haben sich geändert; und das ist gut so!", wird mancher sagen. Nun, die Auffassung über Recht und Unrecht hat sich zwar wesentlich gewandelt, ja sogar gefährlich verschoben, aber eines ist geblieben: Sünde hat tief greifende Konsequenzen!
Und wenn wir fragen: "Was ist Sünde?", dann würde uns Jesus keinen ellenlangen Katalog von Boshaftigkeiten vorhalten. Er würde es vielleicht mit den Worten aus Jeremia 2,13 ausdrücken: "Denn mein Volk hat eine zweifache Sünde begangen: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten"
Wo der Mensch sich zur Mitte macht und Gott über sich nicht anerkennt, da wird er zum Sünder und alles, was er tut, trägt den Hauch des Todes. Da kann es ihm nicht helfen, dass er Mitglied einer Kirche ist, in die er hineingeboren wurde.
Wer die Orientierung für sein Leben aus sich selbst heraus gewinnen will, gleicht einem Menschen, der einen Schatz im See versenkt, und um sich die Stelle zu merken, eine Kerbe an den Bootsrand macht.
Der Urzustand der Sünde ist, dass der Mensch zur Mitte des Universums wird und deshalb die Orientierung für sein Leben in sich selbst sucht. Alles andere sind die Folgen dieses Zustandes der Nichtanerkennung Gottes. Der Mensch kann aber nicht gesunden an Leib, Seele und Geist mittels eines Programms, das er selber entworfen hat.
Auch der Zustand unserer derzeitigen Welt- und Gesellschaftsordnung ist durchzogen und geprägt von Sünde, von Gottlosigkeit. Neuerdings wirbt man auch noch mit sündigen Symbolen oder Werbesprüchen wie "Geiz ist geil" oder man nennt seine Speiseeiskollektion für den Sommer "Sieben Sünden". Korruption, Lüge und Vertrauensbruch prägen derzeit die politische Szene und machen die Wirtschaft kaputt.An der Börse wird mutwillig Geld vernichtet, und es wird Wachstum versprochen, wo jeder Mensch mit normalem Menschenverstand weiss, dass es kein Wachstum geben wird. Brutalität und Rassismus wachsen auf diesem Boden, und es gibt fast keine Gräueltat, die in Deutschland und auch anderswo nicht möglich ist.
Sünde hat furchtbare Konsequenzen, und sie kann nicht mit dem Liebesgebot weggezaubert werden. Der Zustand unserer Welt, wie sie heute ist, hat sich nicht zufällig so entwickelt. Er ist die Konsequenz von sündig gewordenen und immer wieder sündigenden Menschen.
Wenn der Herr Jesus sagt: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein …" (Joh 8,7), will Er damit nicht den Zustand der Sünde verharmlosen nach dem Motto "Wir sind ja alle kleine Sünderlein …" Er will auch nicht den Unterschied zwischen einem gerechtfertigten Sünder und einem nicht gerechtfertigten Sünder aufheben. Nein, Er spricht damit die traurige Tatsache an, dass alles Denken, Sinnen und Trachten des menschlichen Herzens von Sünde durchzogen ist. Und das kann für ihn kein Anlass von Unbekümmertheit sein!
Man sollte nicht so tun, als wäre der Zustand unserer Welt das Produkt von Zufällen oder unglücklichen Konstellationen. Viele Verhältnisse sind das traurige Ergebnis der Gottesferne und der selbstgewählten Zielverfehlung (griech. hamartia). Deshalb sagt die Bibel ganz deutlich, was die letzte Konsequenz der Sünde ist: der Tod. Genau finden wir dies in Römer 6,23: "Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn."
Alle Werke, alle Gedanken, alle Worte des unerlösten Menschen atmen den Hauch des Todes!
Diese schreckliche und letzte Konsequenz der Sünde müssen wir uns immer vor Augen halten, dürfen wir nie vergessen, wenn wir es mit Menschen zu tun haben, die noch keine Vergebung ihrer Schuld durch Jesus Christus empfangen haben: Wir haben es mit Todgeweihten zu tun. Es ist fehlverstandene Liebe, die Wege solcher Menschen als die Wege von lebendigen Gotteskindern zu definieren. Wenn wir im Folgenden den ökumenischen Prozess auf dem Hintergrund endzeitlicher Prophetie beleuchten, geht es in erster Linie um die Beurteilung eines falschen Weges und nicht um die Verurteilung fehlgeleiteter Menschen, die dazu vieles im ökumenischen Bereich mit völlig ehrlichen Absichten tun.