Beitrag von: Hans-G. Stübig


So, oder so ähnlich habe ich bis vor einiger Zeit gedacht. Wenn mir jemand von der so gefährlichen, teuflischen Ökumene berichtete, zog sich oft ein Grinsen über mein Gesicht. Ja, ja, lass ihn reden...

Doch dann wurde mir ein Exemplar der "Charta Öcumenica" in die Hand gedrückt. Verbunden mit der Aussage: „Lies dir das mal durch, wir wollen das mit unserer Gemeinde in unserer Stadt umsetzen. Die Hauskreise sollten das behandeln und sich eine Meinung dazu bilden.“

Nach einem ersten flüchtigen Überfliegen des Textes hatte ich schon mehrere Punkte entdeckt, die mehr als fragwürdig zu sein schienen. Meine Frau las dieses Schriftstück auch und wir wurden uns schnell darüber klar, dass dies kein Thema für einen Hauskreis sei, der mehr oder wenig missionarisch aufgestellt ist. Daraufhin telefonierte ich mit einem unserer Gemeindeältesten, der auch in unserem Hauskreis ist und bat ihn darum, diese „Charta“ nicht im Hauskreis zum Thema zu machen. Meinem Vorschlag, es mit ihm erst einmal zu besprechen wurde mit der Bitte begegnet, zu den strittigen Punkten etwas schriftlich darzulegen. Dies war der Auftakt zu einer überaus kritischen Stellung zur Ökumene. Ich möchte die Leser einfach einmal daran teilhaben lassen, wie das so zuging.

Im folgenden möchte ich einfach einen Teil der Gedanken darlegen, die ich daraufhin unseren Gemeindeältesten habe zukommen lassen. Hier teilweise im Wortlaut:


*

Vieles, was heute gelehrt wird, ist nicht unbedingt das, was wir als bibeltreu bezeichnen. Deshalb ist Vorsicht geboten und wir sind verpflichtet, genau hinzu schauen!

Abgrenzung und nicht Annäherung ist dringend notwendig, wenn nicht mehr die Tatsache, dass jeder Mensch ein verlorener Sünder ist und die Vergebung durch das Blut Jesu nötig hat, im Mittelpunkt der Verkündigung steht.

Wir als baptistische Freikirchler sehen die Taufe als eine Bestätigung vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt zu unserer Bekehrung zu Jesus Christus als unseren Herrn und Heiland an. Sie ist für uns allerdings nicht heilsnotwendig.

Wissen wir wirklich, welche Lehrinhalte zum Beispiel die evangelisch-lutherische Kirche und die römisch-katholische Kirche haben? Bevor wir eine Unterschrift unter eine Verpflichtungserklärung setzen, wäre es gut, sich damit zu beschäftigen. Ich habe es in der letzten Zeit getan und bin zum Teil wirklich erschüttert über Lehrinhalte beider grossen Volkskirchen.

In der evangelischen und der katholischen Kirche ist die Taufe eine Aufnahme in die Kirche, sie gilt als heilsnotwendig und vermittelt dem Menschen, gerettet zu sein!

Für die ev.-luth. Kirche nachzulesen im Augsburger Bekenntnis, Artikel 9: http://www.velkd.de/101.php#Artikel_9

Von der Taufe wird gelehrt, dass sie heilsnotwendig ist und dass durch sie Gnade angeboten wird; dass man auch die Kinder taufen soll, die durch die Taufe Gott überantwortet und gefällig werden, d.h. in die Gnade Gottes aufgenommen werden. Deshalb werden die verworfen, die lehren, dass die Kindertaufe nicht richtig sei.“

und für die r.-k. Kirche im codex-iuris-canonici von 1983, z.B. im Canon 96: http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm

Durch die Taufe wird der Mensch der Kirche Christi eingegliedert und wird in ihr zur Person mit den Pflichten und Rechten, die den Christen unter Beachtung ihrer jeweiligen Stellung eigen sind, soweit sie sich in der kirchlichen Gemeinschaft befinden und wenn nicht eine rechtmäßig verhängte Sanktion entgegensteht.“

und im Canon 849: „Die Taufe ist die Eingangspforte zu den Sakramenten; ihr tatsächlicher Empfang oder wenigstens das Verlangen danach ist zum Heil notwendig; durch sie werden die Menschen von den Sünden befreit, zu Kindern Gottes neu geschaffen und, durch ein untilgbares Prägemal Christus gleichgestaltet, der Kirche eingegliedert; sie wird nur durch Waschung mit wirklichem Wasser in Verbindung mit der gebotenen Form der Taufworte gültig gespendet.“

Im katholischem Katechismus, Band 1, Seite 264, wird auch gleich noch die Heilsnotwendigkeit der katholischen Kirche bestätigt. Auch hier ein Originalzitat: http://www.dbk.de/katechismus/index.php

2.3 Die Heilssendung (Mission) der Kirche

Bei all den vielen und einschneidenden Wandlungen, denen die konkrete Ausübung des kirchlichen Heilsauftrags je nach den Umständen von Ort und Zeit in der Geschichte unterlag, bleibt die Kirche doch in allen Zeiten und für alle Zeiten das eine allumfassende Sakrament des Heils (vgl. LG 48). Alle Menschen sind zu ihr gerufen, allen ist sie zum Heil notwendig. Denn es gibt nur einen Mittler des Heils, Jesus Christus (vgl. Apg 4,12; 1 Tim 2,5). Nur wer an ihn glaubt und auf seinen Namen getauft wird, kann das Heil erlangen (vgl. Mk 16,16, Joh 3,5). Damit ist zugleich die Heilsnotwendigkeit der Kirche ausgesagt. Denn Glaube und Taufe sind die Tür, durch die wir in die Kirche eintreten.

"Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten."(LG 14; vgl. AG 7)“

Es kann für die katholische Kirche auch kein gemeinsames Abendmahl mit anderen Konfessionen geben!

Siehe cic, Canon 908: http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm

Katholischen Priestern ist es verboten, zusammen mit Priestern oder Amtsträgern von Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Eucharistie zu konzelebrieren.“

und kath. Katechismus, Band 2, Seite 224 -227: http://www.dbk.de/katechismus/index.php

Deshalb gilt bezüglich der Sakramente der Grundsatz, daß katholische Amtsträger die Sakramente nur katholischen Gläubigen spenden dürfen und daß katholische Gläubige die Sakramente nur von katholischen Spendern empfangen dürfen. Nur in Ausnahmefällen, die eigens durch "Richtlinien für die ökumenische Praxis" festgelegt sind, wird die Zulassung von evangelischen Christen zur Kommunion gestattet. Zu diesen Ausnahmen gehört nicht, daß evangelische Christen in konfessionsverschiedenen Ehen zur Kommunion zugelassen sind, wie auch nicht, daß Katholiken das evangelische Abendmahl empfangen dürfen (vgl. Gemeinsames Wort der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland "Zur konfessionsverschiedenen Ehe" vom 1. 1. 1985, II, 1).
Die Gemeinsame Synode der deutschen Bistümer erklärt im "Beschluß: Gottesdienst" ausdrücklich, daß sie "zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Teilnahme eines katholischen Christen am evangelischen Abendmahl nicht gutheißen" kann (5.5.). In einer Bitte um Verständnis fügt sie hinzu: "Die Synode bittet die katholischen und die evangelischen Christen um Verständnis für ihre Haltung in der Frage der Eucharistiegemeinschaft. Es geht ihr darum, daß die notwendigen Bemühungen um ein gemeinsames Eucharistieverständnis nicht durch ein übereiltes Vorgehen Schaden leiden. Das immer schmerzlich erfahrene Getrenntsein am Tisch des Herrn soll uns Antrieb sein, im theologischen Gespräch und im Gebet auf jene volle Einheit hinzuarbeiten, die der Herr im Abendmahlssaal von seinem Vater erfleht hat und die in der gemeinsamen Eucharistie ihren Ausdruck finden soll" (ebd. 5.6.).“

Ich möchte nur noch auf einen weiterne Punkt der Charta Ökumenica eingehen. Hier ein Zitat aus der Charta Ökumenica:

11. Beziehungen zum Islam pflegen

Die Begegnung zwischen Christen und Muslimen sowie den christlich-islamischen Dialog wollen wir auf allen Ebenen intensivieren. Insbesondere empfehlen wir, miteinander über den Glauben an den einen Gott zu sprechen und das Verständnis der Menschenrechte zu klären.“

Hier sollte besser Farbe bekannt werden und über den dreieinigen Gott gesprochen werden!

Interessant hierzu die Erklärung NOSTRA AETATE auf der Internetseite des Vatikans http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/index_ge.htm

Auszug:

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten. „

Ich denke, dies muss nicht weiter kommentiert werden!

 

Wenn wir in der Verordnung UNITATIS REDINTEGRATIO der Dokumente des 2.Vatikanischen Konzils auf der Internetseite des Vatikans lesen, drängt sich die Vermutung auf, es kann nur eine Ökumene unter dem Dach der römisch-katholischen Kirche geben. http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/index_ge.htm

Auszug:

Das Heilige Konzil mahnt die Gläubigen, jede Leichtfertigkeit wie auch jeden unklugen Eifer zu meiden, die dem wahren Fortschritt der Einheit nur schaden können, Ihre ökumenische Betätigung muß ganz und echt katholisch sein, das heißt in Treue zur Wahrheit, die wir von den Aposteln und den Vätern empfangen haben, und in Übereinstimmung mit dem Glauben, den die katholische Kirche immer bekannt hat, zugleich aber auch im Streben nach jener Fülle, die sein Leib nach dem Willen des Herrn im Ablauf der Zeit gewinnen soll.“

 

Wir müssen immer wieder beachten, dass wir uns auf das Wort Gottes stützen. Unser Herr Jesus sagt uns voraus, wie es kommen wird. Wir können es nicht ausblenden. Er sagt in Matth. 24, 4 -11:

Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.“

Jesus macht nicht nur positive Aussagen zu den Lehren Anderer! In Matth.5, 18 -20 zum Beispiel:

Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“

Jesus drückt sich hier klar und deutlich aus! Und es steht uns, als seinen Jüngern gut an, das selbe zu tun!

Wir sollten die falschen Lehrinhalte benennen und nicht nur das Positive hervorheben so wie es in der folgenden Pressemitteilung zu lesen ist:

... .Wir wollen uns darum bemühen, nicht zu sehr das Trennende zu betonen, als vielmehr deutlich zu machen, was alles möglich ist.Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Bonn, 18. Dezember 2009, Pressestelle der EKD

In der Ökumene meint offensichtlich jede Gruppe, dass einbringen zu können, was sie meint, in Jesus Christus zu haben. Die Unterschiede werden zur Seite geschoben und das ganze gipfelt in der Aussage, mit den Moslems über den einen Gott zu sprechen, statt ihn als den dreieinigen Gott zu benennen!

An dieser Stelle möchte ich für mich feststellen: Ich habe kein Problem mit der Zusammenarbeit mit Geschwistern, deren Retter Jesus Christus heisst, aus anderen Gemeinden. Allerdings mit einer gegenseitigen schriftlich fixierten Anerkennung der jeweiligen Lehrinhalte anderer Denominationen.

Jesus gibt uns, als seinen Jüngern, die Aufgabe, das Evangelium zu verkündigen, damit Sünder Vergebung erfahren und Ewiges Leben haben! ER baut seine Gemeinde – nicht wir! Deshalb brauchen wir uns nicht den Meinungen des Zeitgeistes anzupassen. Wir können es den Menschen nicht nur gemütlich machen. Wir sind kein weltlicher Verein!!!

Wenn wir um der Attraktivität willen Angst haben, den Menschen zu sagen, dass sie verloren sind und Vergebung durch Jesu Blut nötig haben, haben wir Jesu Worte falsch verstanden! Wir fürchten dann menschliche Reaktionen mehr als unseren Herrn!

Jesus sagt uns, wir sollen uns freuen, wenn wir um seines Namens willen verfolgt werden, weil unser himmlischer Lohn gross sein wird.

Wenn wir allerdings seine Botschaft verbiegen, haben wir dies vergessen und die Menschen gehen, in eine falsche Sicherheit gewiegt, auf ewig verloren!

 

Doch die Menschen haben ein Recht auf die Wahrheit und es ist unsere Pflicht, ihnen davon zu erzählen! Lasst uns dies nicht vergessen.Eine letzte Bemerkung: Wenn wir für uns als Gemeinde die Vision haben, ein Leuchtturm in der Stadt zu sein, so sollten wir nicht in der grauen Masse der gleichgeschalteten Kirchen verschwinden, sondern aufrecht zu dem Wort Gottes und Jesu´s Auftrag stehen!“

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Daraufhin geschah einige Zeit nichts. Auf ein Nachfragen bei unseren Ältesten wurde mir dann berichtet, man könne sich eine Ökumene auch auf gar keinen Fall vorstellen, schon eher ein Zusammenarbeiten mit christlichen Geschwistern aus anderen Gemeinden der Stadt. Da aber schon einige Termine des ökumenischen Arbeitskreises der Stadt fest standen, werden auch weiterhin Mitarbeiter der Gemeine an ihnen teilnehmen. In der darauf folgenden Zeit war für mich ein Predigttermin. Dort nahm ich Bezug auf den Vers in Johannes 17, der als Hinführung zur Charta Öcumenica gedient hatte.

Ich begann mit einer Interpretation der Geschichte „Es brennt“ von Arne Beccard auf dessen Internetseite „ökumene live“ als Einstieg mit der Bitte, sie im Folgenden im Hinterkopf zu behalten.

*

 

Hier im folgenden Auszüge aus dem Manuskript dieser Predigt (die Bibelzitete sind aus Luther 84):

 

In dem Vorwort zur „Charta Oecumenica“ stieß auf einen Vers aus dem Johannes 17, dem Hohe-priesterlichem Gebet als eine Aufforderung zur Einheit.

Aus diesem Grunde möchte ich, dass wir uns heute mit dem Wesen der Einheit beschäftigen, die Jesus hier, in seinem Gebet meint. Es wird ja oft wird die Auffassung vertreten, dass auf dem Weg zur Einheit nicht über Lehrfragen diskutiert werden soll, sondern vielmehr über gemeinsame Aktionen. Der Slogan lautet: „Lehre trennt – Zusammenarbeit und Gebet eint!“

Es erscheint notwendig, eine klare Vorstellungen über das Wesen christlicher Einheit zu haben.


Heute möchte ich mich auf Johannes 17, Vers 21 beziehen, der heute vielfach wie ein Motto über alle Diskussionen gestellt wird, wenn es um Einheit geht. So, als ob damit die Angelegenheit ein für alle Mal entschieden und jede Diskussion überflüssig sei.

Wir sollten immer sehr sorgfältig den gesamten Abschnitt prüfen und dabei nicht übersehen, in welchem Zusammenhang ein Satz gesagt wird. Es wäre falsch, einen Text zu isolieren! Er muss stets in Verbindung mit seinem Kontext betrachtet und mit anderen Texten verglichen werden. Dieses Prinzip sollte stets unsere Schriftauslegung bestimmen.

Wenn diese Regel je von Bedeutung war, dann ganz sicher an dieser Stelle!


Als Erstes wollen wir uns also um einen Überblick über das ganze Kapitel 17 des Johannesevangeliums bemühen. Es lassen sich dort ganz deutliche Unterteilungen erkennen. (Text bitte dazu lesen)

  • In den ersten fünf Versen betet Jesus hauptsächlich für sich selbst.

  • In den Versen 6 – 10 spricht Jesus von den Seinen und betet allgemein für sie.

  • in den Versen 11 – 12 spricht er sein wesentliches Anliegen aus, dass sie eins sein möchten.

  • In den Versen 13 – 16 betet er für ihre Bewahrung vor dem Bösen, der immer darauf aus ist, die Einheit zu zerstören.

  • In den Versen 17 – 19 bittet er um ihre Heiligung, damit sie in der Wahrheit und Einigkeit bewahrt werden möchten.

  • In den Versen 20 – 23 greift er das wieder auf, worum er bereits in Vers 11 gebeten hat und er stellt das Wesen der Einheit genauer dar.

  • In den Versen 24 – 26 spricht er seinen größten Wunsch in Bezug auf die Seinen aus. Sie möchten da sein, wo er ist um die Herrlichkeit zu sehen, die ihm der Vater gegeben hat.

Was sind nun die Wesensmerkmale der Einheit? Das erste Mal erwähnt unser Text die Einheit in Vers11. An dieser Stelle sagt unser Herr: “Ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir.„

Hier drin ist schon alles Wesentliche enthalten. So stellen wir als erstes fest, dass er für bestimmte Menschen betet, die er mit sie bezeichnet. Wer sind diese sie? Denn nur für diese geht es um die Einheit. Das Kapitel liefert uns gleich mehrere Antworten:

  • Es sind diejenigen, von denen er zu Beginn sagt, sie seien ihm von Gott gegeben. Diese wichtige Erklärung wiederholt Jesus mehrfach. Es gibt also bestimmte Menschen, die Gott gehören und die Gott der Vater ihm gegeben hat. Um ihretwillen ist Jesus in die Welt gekommen und hat sein Werk vollbracht.

  • Es handelt sich um Menschen, die von der Welt abgesondert sind. Wir lesen es in Vers 9: „Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein.“

Da sind offensichtlich Menschen, die aus der Welt heraus genommen sind. In diesem Kapitel gibt es keine „Allversöhnung“! Hier zeigt keine einzige Äußerung, dass das, was unser Herr vollbracht hat, für alle geschehen sei. Nicht für solche, die nichts davon wahrnehmen wollen oder es nicht wissen wollen! Also erkennen wir hier eine deutliche Trennung zwischen denen, die noch in der Welt sind und denen, die er herausgerufen hat.

  • Noch eine aufschlussreiche Charakterisierung jener sie finden wir in den Versen 6-8: “Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ Das scheint von größter Bedeutung zu sein, da unser Herr den gleichen Gedanken in Vers 20 wiederholt: “Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden,“ Sie haben an ihn und sein Wort geglaubt; andere werden durch das gleiche Wort, dass sie verkünden auch an Jesus glauben. Jesus wiederholt es noch einmal in Vers 25 und fügt eine zusätzliche und sehr wichtige Kennzeichnung hinzu: “Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.“

Wenn wir die Wesensmerkmale der Einheit betrachten, so sehen wir das Prinzip der Absonderung und Unterscheidung. Jesus bittet nicht für die Welt. Er bittet nur für die Menschen, die ihm vom Vater gegeben sind. Wenn Jesus in Vers 19 sagt: “Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.“, handelt es sich hierbei um einen deutlichen Hinweis auf seinen Tod, auf sein Sühneopfer und sein Werk der Versöhnung. Er betont, dass er das nur für sie allein tut. Es sind nicht irgendwelche Leute, die zufällig in einem bestimmten Land wohnen, einer bestimmten Rasse angehören oder sich einer sichtbaren Kirche angeschlossen haben. Nein, es sind vielmehr diejenigen, die sein Wort, das ganze Wort, angenommen haben. Jesus hat das Alte Testament autorisiert. Wir haben dies das letztes Mal, als wir die Bergpredigt behandelten, schon einmal gehört. Sein Wort, das ist auch seine Lehre und besonders das, was er von sich gesagt hat. Diese Menschen haben erkannt, wer er ist und das er von Gott gesandt wurde, um dieses Werk für sie zu tun. Das ist es, was sie geglaubt und angenommen haben!

Diese Einheit, von der er hier spricht, ist also nur auf jene anwendbar, die das Wort, das wir heute Evangelium nennen, ohne Ausnahme annehmen und glauben.

Die zweite Aussage, die in Vers 11 getroffen wird, betrifft den Ursprung der Einheit. Jesus benutzt hier das Wort „bewahren“. „Heiliger Vater,“ sagt er, „erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast „ Nirgendwo in dem ganzen Kapitel gibt es eine Aufforderung oder eine Ermahnung, diese Einheit herzustellen! Nach dem, was Jesus hier sagt, besteht sie bereits, sie ist schon vorhanden! Es ist die Einheit derer, die im Gegensatz zu allen Anderen die Wahrheit geglaubt haben, die ihn und sein ganzes Erlösungswerk betrifft. Unser Herr, der im Begriff steht, die Welt zu verlassen, und der natürlich weiß, dass die Seinen den Angriffen Satans und der Sünde ausgesetzt sein werden, bittet seinen Vater, sie in der bereits vorhandenen Einheit zu bewahren!

Das, ist eine sehr wichtiger Aussage! Es geht unserem Herrn nicht um etwas, das wir anstreben sollten! Nein, er spricht ja seine Jünger ja überhaupt nicht an. Es ist ein Gebet zu Gott, sie in der Einheit zu bewahren, die er durch seine Predigt bereits unter ihnen geschaffen hat!

Und noch einen dritten Gesichtspunkt, den wir in Vers 11 erkennen, betrifft das Wesen der Einheit: „... dass sie eins seien wie wir.“ Gewissermaßen ist das der Mittelpunkt unseres Themas. Jesus kommt in den Versen 20-23 ja auch ausdrücklich darauf zu sprechen. Deshalb wollen wir uns auch diese Verse genauer ansehen: „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“

Hier können wir die wesentliche Charakteristik der Einheit erkennen, von der er hier spricht. Es ist die gleiche Einheit zwischen Vater und Sohn, wie die Einheit zwischen Sohn und Jüngern, für die er hier betet! In einigen Versen des 14. Kapitels wird dies zusätzlich beleuchtet. Dort machen die Verse 20-23 ähnliche Aussagen.

Bei dem, was wir bisher in Johannes, Kapitel 17, dem Hohe-priesterlichem Gebet Jesu, an Aussagen erkennen konnten, ist es unmöglich, sie nur oberflächlich zu behandeln. So, als sei ihre Bedeutung völlig klar und selbstverständlich. Unser Herr Jesus spricht hier von der für uns Menschen unergründlichen Einheit, die zwischen den Personen der Dreieinigkeit besteht. Und das ist eins der tiefsten Geheimnisse des christlichen Glaubens.

Dennoch werden diese Worte oft weitergegeben, als ob ihre Aussage nur das eine bedeutete: irgendeine äußere Einheit zu organisieren. Aber wir müssen uns klarmachen, wenn wir es im Kontext sehen, dass hier genau das Gegenteil gesagt wird! Es geht um eine Einheit, die dem Geheimnis der Dreieinigkeit entspricht: In dieser Einheit der Gottheit sind drei Personen von einem Wesen, einer Macht und Ewigkeit. Was sie eint, ist ihre Wesenseinheit. Das darf hierbei auf keinen Fall übersehen werden!

Hinzu kommt ihre Einheit in Auffassung, Meinung und Zielsetzung, die Liebe untereinander und vieles, was daraus folgt. Die Einheit, von der unser Herr Jesus Christus hier spricht, ist also eine Einheit derjenigen, die zu einem neuen Leben erweckt und wiedergeboren worden sind. Hier handelt es sich nicht um eine Interessengemeinschaft!

Zusammenfassend können wir also sagen, das unser Herr in diesem Gebet seinen Vater bittet, die Einheit, die er geschaffen und erhalten hat, solange er bei seinen Jüngern war, zu bewahren. Er hat auch hier schon den Fall des Judas als besondere Ausnahme erwähnt. Hier ist einer, der zu ihnen gehörte, aber der schließlich ganz deutlich zeigte, daß er nicht wirklich von ihnen war. Wir müssen uns nun selbst prüfen, ob wir nur den Anschein erwecken, dazu zu gehören. Wenn uns das neue Leben und die Wiedergeburt fehlen, dann gibt es keine wirkliche Einheit!

Dieses Gebet ist keine Ermahnung an uns, etwas zu tun, sondern eine Bitte an Gott, die bereits bestehende Einheit zu erhalten! Eine im Wesentlichen geistliche Einheit, erzeugt durch das Wirken des Heiligen Geistes bei der Wiedergeburt und durch den gemeinsamen Glauben und das Annehmen der Lehre über die Person und das Werk unseres Herrn. Jede Einheit, die diese Wesenszüge nicht hat, ist nicht die Einheit, von der Johannes 17 spricht!

Lasst uns immer daran denken und danach handeln, wenn wir über Einheit sprechen. Es werden oft falsche Schlüsse aus der Bibel gezogen, weil sie mit einer ganz bestimmten Idee im Hinterkopf gelesen wird. Es werden dann Bibelstellen aus dem Zusammenhang gerissen und aneinander gereiht. Das Ganze klingt dann sogar auf den ersten Blick ganz rund.

Erwarten wir aber nicht unbedingt, daß die Menschen, die Verantwortung tragen, dies immer gleich erkennen.Die logisch erscheinenden Schlußfolgerungen, die Erfahrungen auf gesellschafts-politischem oder betriebswirtschaftlichem Gebiet sind uns im Reich Gottes manchmal sogar hinderlich. Jesus hat mit seinem Evangelium nämlich unser gesamtes Denken auf den Kopf gestellt!

Und genau deshalb sollte jeder Einzelne von uns wirklich am Wort Gottes genau prüfen, ob es sich bei dem, was er als Wahrheit verkauft bekommt, noch um das Evangelium oder schon um eine Ideologie handelt.“

*

Bisher habe ich keinerlei Reaktion erhalten, wie es weitergehen soll. Allerdings befürchte ich, dass garnichts passiert. Die „Charta Öcumenica“ wurde ja bereits vor fast 9 Jahren unterschrieben.

Meine Befürchtung ist, es wird zur Tagesordnung übergegangen, in der Hoffnung, dass schon „nichts passiert“.

Ich weiss nicht, wie es Lesern dieser Internetseite geht. Ich möchte nicht, dass der Kampf gegen die Ökumene meine Gedanken vereinnahmt. Es geht darum, festzustellen, wie gefährlich eine solche Gleichmacherei und Gleichschaltung ist. Aber es lohnt kein Kampf dagegen. Gottes Wort sagt uns ganz deutlich, dass es so kommen muss!

Wir können nur warnen. Und unser Haupt erheben, weil der Herr bald kommt.

Aber wir dürfen keinesfalls mitmachen. Deshalb ist es wichtig, Glaubensgeschwister zu suchen und zu finden, denen Gott auch zeigt, dass Ökumene nicht dem Willen unseres Herrn Jesus Christus entspricht.

Weil es oft schwer ist, solche Geschwister zu finden, meldet euch doch. Vielleicht könnte dies zu einem gesegneten Netzwerk führen. 

Mit geschwisterlichem Gruß Hans-G. Stübig Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Weiterführende Artikel:

-Analyse der von der ACK herausgegebenen Arbeitshilfe zur Charta Oecumenica (PDF)

Weiterführende Links:

- Johannes Ramel (Ex. Prister der Römisch kath. Kirche)

- come2life